Wirtschaft und Sicherheit: Außenminister Wadephul reist zum strategischen Dialog nach Marokko

Veröffentlicht am 29. April 2026 um 13:56

Rabat/Berlin, 29. April 2026 – Der deutsche Außenminister Johann Wadephul ist am Mittwoch zu einem zweitägigen offiziellen Besuch in Rabat eingetroffen. Der Besuch findet im Rahmen des bilateralen strategischen Dialogs statt, zu dem sich beide Länder alle zwei Jahre auf Außenministerebene treffen. Dieser Besuch findet statt, während Deutschland und Marokko den 70. Jahrestag der Aufnahme ihrer diplomatischen Beziehungen feiern.

Eine gestärkte strategische Partnerschaft

In einer vor seiner Abreise vom Auswärtigen Amt veröffentlichten Erklärung betonte Johann Wadephul die Bedeutung des Königreichs für Berlin: „Als wichtige Brücke zwischen dem europäischen und dem afrikanischen Kontinent ist Marokko ein Schlüsselpartner für Deutschland.“ Er fügte hinzu: „Gerade in Zeiten der Unsicherheit und geopolitischer Spannungen wollen wir mit Partnern wie Marokko unseren Austausch stärken und intensivieren.“

Die Gespräche mit seinem marokkanischen Amtskollegen Nasser Bourita, Minister für auswärtige Angelegenheiten, afrikanische Zusammenarbeit und im Ausland lebende Marokkaner, werden sich auf ein breites Spektrum internationaler, regionaler und bilateraler Themen erstrecken.

Ausgeweitete Zusammenarbeit bei regionalen Krisen

Zu den internationalen Themen auf der Tagesordnung gehören insbesondere die Lage im Nahen Osten und die Krise in der Sahelzone. Der deutsche Minister würdigte das Engagement Marokkos für die regionale Stabilität, insbesondere dessen Bereitschaft, sich an der Umsetzung des 20-Punkte-Plans für Gaza und an einer internationalen Sicherheitskraft zu beteiligen. „Dies zeugt von seiner stabilisierenden Rolle in der Region, eine Rolle, die wir besonders schätzen und auf die wir zählen“, erklärte Wadephul. Er erinnerte zudem daran, dass Deutschland und Marokko das gemeinsame Ziel verfolgen, die Sahelzone zu stabilisieren, um die Ursachen der Krisen und der Bevölkerungsbewegungen zu bekämpfen.

Eine wirtschaftlich boomende Partnerschaft

Wirtschaftlich gesehen ist Marokko bereits Deutschlands zweitwichtigster Handelspartner auf dem afrikanischen Kontinent. Mehr als 300 deutsche Unternehmen sind im Königreich ansässig. Minister Wadephul wird von einer Wirtschaftsdelegation begleitet, die vom Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geleitet wird. Er wird unter anderem einen Automobilzulieferer besuchen, um sich ein Bild vom Kooperationspotenzial in technologisch fortschrittlichen Sektoren wie der Automobil- und Luftfahrtindustrie zu machen.

„Es gibt noch enormes Wachstumspotenzial in unseren Wirtschaftsbeziehungen, insbesondere bei erneuerbaren Energien, kritischen Rohstoffen und Wasserstoff“, betonte der deutsche Außenminister. Er würdigte zudem den Beitrag marokkanischer Fachkräfte, die „einen wertvollen Mehrwert in Bereichen wie dem Gesundheits- und Pflegesektor in Deutschland“ darstellten.

Zusammenarbeit in den Bereichen Migration, Sicherheit und Fußball

Auch Fragen der Migration und Sicherheit stehen auf der Tagesordnung. Deutschland und Marokko haben Anfang 2024 ein Migrationsabkommen geschlossen, das darauf abzielt, die irreguläre Migration zu reduzieren und gleichzeitig die legalen Migrationswege zu stärken. Die Zusammenarbeit in den Bereichen qualifizierte Einwanderung, Bekämpfung der grenzüberschreitenden organisierten Kriminalität und des Terrorismus wird ebenfalls thematisiert. Schließlich bietet der Besuch auch Gelegenheit, die Fußball-Weltmeisterschaft 2030 anzusprechen, die Marokko gemeinsam mit Spanien und Portugal ausrichten wird. Der deutsche Minister soll in Begleitung des Sportbotschafters Karim Bellarabi ein Ausbildungszentrum für junge Fußballer besuchen.

Hintergrund und Perspektiven

Dieser Besuch ist Teil einer Annäherung, die seit der Unterzeichnung der deutsch-marokkanischen gemeinsamen Erklärung im August 2022 im Gange ist, mit der nach einer Phase diplomatischer Spannungen ein „Neustart“ der Beziehungen besiegelt wurde. Die letzte Runde des strategischen Dialogs fand im Juni 2024 in Berlin anlässlich des Besuchs von Nasser Bourita in Deutschland statt. Das Treffen in Rabat soll dazu dienen, eine Bilanz der eingegangenen Verpflichtungen zu ziehen und die Schwerpunkte der künftigen Zusammenarbeit festzulegen.

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